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Reeh Mirko

Mirko Reeh betreibt Kochschulen in Frank-furt am Main, München und Ibiza. Bekannt wurde er durch seine Fernsehauftritte „Guten Abend RTL“, TV-Gusto und seine Kolumne „Chef and the City“ im Rhein-Main.net.  Was macht Mirko Reeh so erfolgreich? Ist es das handwerkliche Talent, sein Gespür für Trends in der Küche? Oder eher seine Gabe, Leute zu unterhalten? Sicher eine Mischung aus Allem. Mirko Reeh ist immer für neue Ideen offen und prägt seine Kochshows durch die Nähe zum Gast und eine ge-sunde Portion Humor, gepaart mit hes-sischer Mundart.

Hallo Mirko, Du bist einer der besten Köche. Wie kam es zu diesem Beruf?
Mirko Reeh: Dort wo ich herkomme, hatte ich nicht die Möglichkeiten. Ich habe erstmal Wirtschaft studiert, und dann umge-schwenkt. Und jetzt gehöre ich zu den besten Köchen in Europa. Meine Idee war es, die Gerichte einfach zu gestalten, aber mit viel Pepp.

Du wolltest also das Essen interes-santer gestalten!
Ja, weg vom Alltäglichen, aber trotzdem bodenständig bleiben. Da übertreiben ja viele, dann wird das zu abgedreht, obwohl ich das auf eine gewisse Art auch geil finde. Man muss trotzdem ein bisschen satt werden!

In den letzten drei Jahren ist Deine Medienpräsenz ziemlich angestiegen. Bist du immer noch mit beiden Beinen auf der Erde?
Ich weiß wo ich herkomme, und finde es wichtig, dass man sich dessen immer be-wusst ist. Ich finde wichtig, dass man  dank-bar sein sollte, dass man das ausüben darf, was einen glücklich macht.

Die Größen in dieser Branche sind für ihr Publikum nicht wirklichanfassbar. Ist Dein Erfolgsrezept die Nähe zum Kunden?
Da gebe ich Dir Recht, die Leute kommen in mein Studio, um mit mir zu kochen. Wenn ich nicht da wäre, so wie Andere, sind sie enttäuscht und kommen nie wieder. 40% meiner Kunden sind „Wiederholungstäter“.

Momentan läuft es gut für Dich. Du hast drei Kochstudios und einen eigenen Verlag. Wo siehst Du Dich selbst in fünf Jahren?
Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst noch nicht. Ich lasse mich gern jeden Tag aufs Neue überraschen. Ich möchte weiter kom-men, finde es aber spannend, weil ich keine festen Pläne habe.

Lässt Du Dich durch Einflüsse von Aus-sen inspirieren und welche Eindrücke beeinflussen Deine Arbeit?
Genau das ist das Schöne daran, dass Kochen nicht nur Nahrungsaufnahme ist, sondern auch ein guter Weg, in anderen Bereichen aktiv zu werden. Ich hatte die Möglichkeit, in einem Hörbuch, für die TKKG, mitzuwirken, ich mache Kinderprojekte, fahre im Sommer Fahrrad für einen guten Zweck, für die Tour der Hoffnung. Das hat zwar nichts damit zu tun was ich mache, ergibt sich aber daraus.

Das klingt spannend. Niemand ist per-fekt. Was war denn Deine schlimmste Panne beim Kochen? 
Mein erster Kochkurs war der Schlimmste. Ich hatte Entenkeulen vorbereitet, habe aber leider nicht gemerkt, dass diese noch nicht vollständig aufgetaut waren, und irgendwie hat nichts so geklappt, wie ich es wollte. Ich musste die Keulchen ausbeinen und braten, aber das hat auch nicht so recht geklappt. Es war ein zäher Vogel.

Bei vielen Menschen gilt Geiz ist geil auch beim Lebensmittelkauf. Was hälst du von der Aussage: Du bist was Du isst!?
Ich esse auch gern Hummer, aber nicht immer. Ich finde, es muss eine gesunde Mischung sein, ich mag es bodenständig. Ich achte darauf, dass die Lebensmittel gut und gesund sind, nicht immer kriegt man alles in Bioqualität. Die Qualität ist sehr wichtig, ge-rade beim Fleisch schmeckt man das deutlich raus. Ein Steak aus dem Super-markt kann eben nicht die Qualität bieten, wie eines vom Metzger.

Dein persönliches Lieblingsgericht? Hast Du eins? Wenn man sich den ganzen Tag mit Essen beschäftigt, ist das sicherlich nicht einfach.
Natürlich ist das schwer. Aber ich liebe Pasta, nichts geht über Nudeln. Am liebsten in ganz verschiedenen Variationen. Schnitzel esse ich gern, Rinderfilet, aber genauso gern esse ich Eintopf, Hauptsache frisch und nichts aus der Packung. Wobei, ne gute Currywurst ist auch lecker, ein paar Fritten dazu, wunderbar. Man muss nur einen guten Ausgleich schaffen.

Wie entspannst Du zum Ausgleich? Was gibt Dir Energie?
Fernsehen, einfach mal berieseln lassen. Sport, wenn ich dazu komme, Schwimmen ist sehr entspannend, Lesen auch. Ich blät-tere gern in Kochbüchern, höre Musik und Ibiza ist sowieso entspannend.

Dein Buch: „Vorspeise, Hauptgang, Mord“, beschäftigt sich mit Essen aber auch mit Mord.  Wie kommst Du auf Deine Ideen?
Der erste Krimi basiert auf einer nicht wirklich wahren Geschichte , aber wie Wolfgang Joop es mal treffend formulierte: Es ist im Rahmen des Möglichen, dass es einige autobiograph-ische Züge hat , aber nicht autobiographisch ist. Ich weiß auch nicht wie, es war einfach irgendwann da. Ein Buch muss viele Fragen aufwerfen. Mein neues Buch heißt: „Im Kühl-haus hängen Leichen besser“.

Was passiert in der Murder-Mysterie-Cooking-Show?
Das ist ein kleiner Kochkurs. Beim Murder-Mysterie-Cooking müssen die Gäste Detektiv spielen und aktiv mitmachen,  aber ohne echte Leiche. Einmal stand die Polizei vor der Türe. Ein Nachbar hatte am Boden die ange-zeichnete Leiche gesehen und die Polizei ver-ständigt. Das war schon eine Überraschung.

Auch im Programm: Comedy-Cooking mit  Bäppi La Belle. Hab ich ja schon selbst erlebt – echt toll Ihr beiden in Eurer Verkleidung.
Ich habe mir schon immer gewünscht, dass Thomas Beppler, als Bäppi La Belle bei mir in der Kochsendung bei RTL auftritt. Irgendwie kam es auch dazu, wir haben an diesem Tag so viel dummes Zeug gemacht, dass am Ende ein 12 minütiges Best of Cooking mit Bäppi und Mirko rauskam, weil wir so viel Material hatten. Und weil wir weiter machen wollten, sind Leon und Heinz entstanden. Das hat eingeschlagen wie ‘ne Bombe. Das Ziel ist natürlich, was Leckeres auf den Tisch zu bekommen, aber das Drumherum ist ausgekochter Wahnsinn.

Das kann ich mir gut vorstellen. Hast Du ein Vorbild?
Das Vorbild teilt sich ein bisschen, das hat verschiedene Gründe. Einmal von der Professionalität der Selbstvermarktung würde ich sagen Johann Lafer und im Bereich des Kochens Eckart Witzigmann und Dieter Müller.

Wer war für Dich der Vorreiter der Eventküche, im Bereich Fernsehen und Kochshow?
Alfred Biolek, er hat das Kochen, obwohl er selbst älter ist, jünger werden lassen. Dass die Leute in der Küche einfach locker mitei-nander umgehen und kochen, das hat er ge-prägt. Wer das jetzt für die ganz jungen Leute prägt, ist natürlich Jamie Oliver.

Im Alltag kocht häufiger die Frau, aber in der Gastronomie oder im Fernsehen ist es eher eine Männerdomaine.  Wie erklärst Du Dir das?
Das liegt daran, dass der Job so hart ist. Einen Kochkurs vorzubereiten ist nicht so an-strengend, wie ein Tag im Restaurant. Ein durchschnittliches Restaurant hat 50 Plätze. 50 Gäste am Abend zu bekochen, heißt ein ganzer Tag Vorbereitung, da steht man locker 12 bis16 Stunden. Da muss man körperlich sehr viel leisten, und deshalb stehen im Restaurant eher Männer als Frauen am Herd.

Thema Internationalität. Türkische Küche wird oft gleichgesetzt mit Döner und Co., ist es aber nicht. Wie stehst Du dazu?
Döner ist eine deutsche Erfindung. Wie wir ihn kennen, kommt er aus Berlin. Der Ursprung kommt aus Griechenland, da hat man Brot-fladen mit Fleisch befüllt. Türkische Küche an sich finde ich interessant, weil mit sehr inter-essanten Gewürzen gekocht wird. Man kann sehr viele Ähnlichkeiten zwischen der griech-ischen und der türkischen Küche feststellen. Es greift ineinander über. Alles vermischt sich.

An Fisch trauen sich viele nicht heran, obwohl dieser doch einfach in der Zube-reitung ist. Warum denkst Du ist das so?
Fisch kann so einfach sein. Filetieren muss man richtig gezeigt haben, dann können die Leute das. Das sehe ich regelmäßig in meinen Kursen. Wenn ich Hummer oder Langusten mache, sind die Leute erschreckt, wie einfach das geht. Oft braten die Leute Fisch zu lange, ich erlebe das bei Garnelen sehr oft. Die brutzeln und brutzeln und werden gummiartig und fest.

Welche Küche wird 2006 Trends setzen, welche Richtung, welche Nation?
Die italienische Küche bleibt auf jeden Fall. Was sich aber vermischen wird als world cuisine. Indische und indonesische Küche wird sehr präsent sein. Der asiatische Raum kommt wieder und Mexiko ist stark im Kom-men. Spanische Tapas und italienische Anti-pasti werden den Trend weiterhin bestimmen.

Für unsere Waschbrettbauchliebhaber – Dein Tipp für weniger Pfunde auf den Hüften bei gleichem Genussfaktor.
Man sollte, um eine gesunde Ausgewogenheit reinzubringen, weniger Kohlenhydrate zu sich nehmen, also weniger Kartoffeln, Nudeln Reis etc. Und das entsprechend gut ausgleichen mit Gemüse, Fleisch und Salat. Die Mischung ist wieder mal entscheidend, Kohlenhydrate setzen sich eben sehr gerne im Körper fest. (TK)



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