Erotik als Mission - mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Sexu-alität - eine Lebensauf-gabe, die viele Menschen glücklicher macht. Sandra Maravolo, Inhaberin des Frauen-Erotikladens InsideHer ist auf Ihre Art und Weise Wegbereiterin für einen offeneren Umgang mit dem Thema Sexuali-tät. Das geschieht durch ihr Wirken in ihrem Shop und durch die Bücher, die sie ge-schrieben hat. Was sie dazu gebracht hat und was sie tagtäglich erlebt, hat sie up! in einem Interview erzählt.
Hallo Sandra. Du hattest ursprünglich eine andere Ausbildung. Wie kam es zu InsideHer?
Wenn man ein paar Jahre Werbung gemacht hat, kann man ja alles machen. Die Werbe-branche hat mir nicht mehr so viel Spaß ge-macht mit all der Hektik. Als ich in Amster-dam war, hatte ich ein Schlüsselerlebnis mit einem Laden, der sich von den klassischen Sexshops abgehoben hat - zwei Jahre später hatte ich dann selber einen.
Warum ist es ein Sexshop nur für Frauen? Es ist ein Sexshop, der sich in erster Linie an Frauen richtet, aber nicht nur. Das zeigt sich in der Ladenaufteilung - vorne eher Dessous und hinten eher die Spielzeuge und Accessoires - vor fremden Blicken geschützt. Es kommen häufig Frauen mit ihren Partnern, um gemeinsam etwas auszusuchen oder Jungs, die für ihre Freundinnen ein Geschenk aussuchen.
Schreckt der Name „Inside Her“ nicht die Herren ab? Ja, da gibt es welche, die deshalb nicht rein-kommen, genauso wie es Frauen gibt, die, wenn sie einen Dildo in der Auslage sehen, auch nicht reinkommen. Aber das ist mir dann ziemlich wurscht. Männer, die zu uns kommen, merken schnell, dass sie kein Fremdkörper hier sind und es eine angenehme Atmosphäre gibt.
Was ist das Erfolgsrezept dabei? Es ist eine ziemlich lockere Atmosphäre hier, mit den alten Möbeln, Kronleuchtern – im Grunde genommen so, wie es bei mir zu Hause aussieht. Ich muss mich ja auch wohl-fühlen hier. Das ist nicht wie in klassichen Sex-Shops.
Gibt es Produkte, die besonders häufig nachgefragt werden, sozusagen Klassiker im Sexgeschäft? Liebeskugeln sind der absolute Renner. Alle Frauen interessieren sich dafür und wollen es mal ausprobieren. Und Vibratoren gehen hoch und runter in allen Größen und Farben.
Gibt es auch neue Trends, das ultimative Spielzeug?
Was es ganz neu gibt, sind Vibratoren die man auf eine Ladestation stellen kann, ganz ohne Kabel. Das ist nicht so nervig dann mit den Batterien. Es denken immer alle, mein Vibrator ist so lahm, dabei liegts an den Batterien. Das ist dann mit den Akkugeräten einfacher. Auch neu sind wasserdichte Vibratoren für die Badewanne.
Wie viele Jahre bist Du so hautnah am Thema Sex? Ungefähr 15 Jahre. Ich hab ja auch schon sehr früh mit Sexspielzeug Kontakt gekriegt, so mit 16 Jahren. Und da bin ich selbst immer ganz locker damit umgegangen. Man muss sich keinen Kopf machen, die Dinger funktionieren, die geben keine Widerworte – alles wunderbar. |
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Hat sich in den letzten Jahren der Umgang mit Erotik bzw. Sexualität verändert – hin zu einer größeren Offenheit? Bei den Jüngeren habe ich häufig das Gefühl es wäre eher wieder rückläufig und die heben sich auf für die Ehe und so. Je älter die Frauen werden, desto offener gehen sie auch mit ihrer Sexualität um. Über 30 ist es eher so, dass sie sich sagen „Jetzt kauf ich mir mal nen Vibrator“ denn was anderes macht mir eh nicht ausreichend Spaß.
Hat sich in den letzten Jahren der Umgang mit Erotik bzw. Sexualität verändert – hin zu einer größeren Offenheit? Bei den Jüngeren habe ich häufig das Gefühl es wäre eher wieder rückläufig und die heben sich auf für die Ehe und so. Je älter die Frauen werden, desto offener gehen sie auch mit ihrer Sexualität um. Über 30 ist es eher so, dass sie sich sagen „Jetzt kauf ich mir mal nen Vibrator“ denn was anderes macht mir eh nicht ausreichend Spaß.
Spielt dabei das Fernsehen eine Rolle. Ist nach bestimmten Sendungen ein verändertes Kaufverhalten zu bemerken? Auf jeden Fall und wie. Ich war schon bei „Wahre Liebe“ auf dem Sofa. Da werde ich heute noch drauf angesprochen. Was einen Schub gab, was Vibratoren und so angeht, war die Sendung „Sex and the city“. Da sind viele Frauen darauf gekommen, so was mal auszu-probieren. Dann wollten die genau das Modell aus dem Film, den Rabbit-Vibrator zum Bei-spiel.
Wenn man den ganzen Tag mit dem Thema Sex und Erotik beschäftigt ist, stumpft man da nicht ab?
So ein bisschen vielleicht schon. Ich hab jede Menge von dem Sexspielzeug in der Schublade, und ich benutze sie echt wenig. Über die Jahre ist das ein bisschen wie beim Konditor, der seine eigenen Torten nicht mehr essen kann. Vor allem, wenn man auch den ganzen Tag darüber redet, will man nicht noch abends „Dirty Talk“ machen. Da muss ich mich zuweilen schon motivieren.
Du hast ein Buch geschrieben „Was Frauen richtig antörnt“ und noch ein zweites „Liebe Satt“. Wie kam es dazu? Um den Frauen zu helfen. Es ist wichtig, dass die Frauen den Rücken gestärkt bekommen, um ihre Bedürfnisse einzufordern. Das machen Frauen immer noch viel zu wenig. Es kommen Frauen vorbei, die sagen „mir machts gar keinen Spaß. Was soll ich machen?” Darum habe ich ja aus diesem fast missionarischen Aspekt so einen Laden, weil ich weiß, wie schwierig es ist für eine Frau eine gute Sex-ualität zu haben. Das Buch wird übrigens auch von Männern gelesen, weil es unterhaltsam geschrieben ist. Was anderes kann man den Männern auch gar nicht zumuten.
Du bist Wegbereiterin in der „Normalisierung“ des Themas Erotik und Sexualität, durch das Geschäft, durch das Buch. Was ist der nächste Step? Ich bin für alles offen. Lass es einfach auf mich zukommen. Ich würde auch Radio machen. Da ich hier ja auch tagtäglich mit meinen Kundinnen rede, vielleicht ja ...
Hast Du abschließend für die Jüngeren, seien es Jungs oder Mädels einen Tipp, den Du mit auf den Weg geben möchtest? Ja unbedingt – man muss immer sagen, was man will und wie man es will. Von Anfang an, auch wenn man jung ist und sich neu kennenlernt. Sonst hat man keinen Spaß im Leben.
Vielen Dank für das Gespräch
Interview und Foto: Thomas Kypta |
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